Text:
Manley Steelhead II
Röhren-Phonostufe und Vorverstärker in Einem.
Geniale Traum-Kombination für den Analog-Fan
(Testbericht weiter unten im Text)
Mausklick für Rückansicht...
Der STEELHEAD in der Version II ist für den anspruchsvollen Analog-Fan, der Musik auch noch aus einer anderen Quelle "schöpfen" möchte, das ideale Arbeitsgerät.
Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, der STEELHEAD ist zu allererst, denn so wurde er konzipiert, eine Phonostufe. Zusätzlich bietet er in der Version II die Möglichkeit eines weiteren Line-Eingangs z.B. für einen CD- oder DVD-A- oder SACD-Spieler oder Tuner. Mit diesem Gerät können Sie sich die Vorstufe sparen, denn über den variablen Ausgang können Sie den STEELHEAD direkt an einen End-Verstärker anschließen.
Vorgestellt wurde der STEELHEAD zuerst auf der CES 2001; inzwischen hat er weltweit höchste Anerkennungen gefunden als eine der besten und universellsten Phonostufen, die je gebaut wurden.
Ohne jedes Risiko, etwas am Gerät falsch zu machen oder die Lautsprecher explodieren zu lassen, kann der Analog-Fan alle für die Analogwiedergabe wichtigen Parameter entsprechend seinem System und seinen persönlichen Klangvorstellungen variieren und nach Herzenslust mit dem STEELHEAD experimentieren. Er hat die Möglichkeit, 3 Phono-Systeme gleichzeitig anzuschließen (2 MC und 1 MM) und zu justieren.
Auf der Frontplatte kann er über einen Drehschalter zwischen den einzelnen Eingängen bequem hin- und her wechseln (Auto-Mute verhindert dabei lästiges Knacksen).
Für seine MC-Syteme kann er die Impedanz-Last im laufenden Betrieb zwischen 25, 50, 100, 200 und 400 Ohm (parallel) für die beiden in ihrer Funktion einmaligen Manley-Übertrager frei wählen und sofort die Auswirkungen auf die Klangwiedergabe verfolgen. Desgleichen kann er die Impedanz-Last beim MM-System zwischen 25, 50, 100, 200 Ohm und 47 kOhm über einen extrem geräuscharmen Widerstand variieren.
Die Kapazitätslast lässt sich von 0 bis 1.100 Pico-Farad in Stufen von 10 Pico-Farad regeln. Das hat bisher noch kein anderer Hersteller geschafft!
Der STEELHEAD arbeitet mit 6 Doppel-Trioden-Röhren, 2 x 6922 (für den Gain) und 4 x 7044 (für die Ausgangsspeicher).
Die Verstärkung (Gain) kann über einen praktischen Drehschalter auf der Frontplatte (wieder mit Auto-Mute) für MM und MC gleichermaßen nach Wunsche eingestellt werden: 50, 55, 60, 65 dB. Wobei Manley empfiehlt, zuerst die Impedanz auf das verwendete System anzupassen, erst danach sollte man die Verstärkung justieren. Der STEELHEAD bietet ausreichend Verstärkung, selbst für ein System mit extrem schwacher Ausgangsspannung. Möglich ist es andererseits ein High-Output MC-System über den MM-Eingang anzuschließen und die Parameter entsprechend anzupassen.
Auf der Frontplatte nicht zu übersehen ist der Manley-typische, große Volumen-Regler; er dient am variablen Ausgang zur Lautstärkeregelung beim Anschluss direkt an den Endverstärker.
Über einen MUTE-Schalter kann der STEELHEAD stumm geschaltet werden, eine sehr praktische Funktion, die man nicht mehr missen möchte, wenn man sich einmal an sie gewöhnt hat.
Der DIM-Schalter (nur für den variablen Ausgang) reduziert die Lautstärke um 20 dB, nützlich z.B. bei der Umstellung auf SUM (Mono-Betrieb).
Den zusätzlichen Line-Eingang wählen Sie über einen blau hinterleuchteten Druckschalter (LINE).
Üppig abgerundet wird das Bild des STEELHEAD bei der Betrachtung des ausgelagerten Netzteiles, sicher überdimensioniert und extrem aufwändig geregelt; es ist mit dem Hauptgerät mittels eines dicken Kabels und eines noch größeren Steckers verbunden. Durch die Auslagerung der Stromversorgung werden mögliche Einflüsse auf das empfindliche Analog-Signal ausgeschlossen.
Mit dem Druckschalter SLEEP versetzen Sie das ganze System in eine stromsparende und Röhren schonende Standby-Position, die empfohlene Art der Abschaltung auch bei längeren Hörpausen.
Die herkömmliche Beleuchtung des Produkt- und Firmen-Logos passt zum traditionellen LP-Image, die vielen blauen LEDs auf der Frontplatte sind Beweis für modernste Technik, die in diesem Gerät steckt.
Der STEELHEAD ist die Verwirklichung eines Traumes, den selbst der anspruchsvollste Analog-Fan nicht für möglich gehalten hat: die klare Musikalität der Röhre, einfühlsamste Behandlung und Verstärkung des schwachen Analog-Signals, keine Eigengeräusche, aufwändige Steuerungen, eingebaute Sicherheit für alle Bedienungs- und Experimentier-Schritte, fixer und variabler Ausgang, somit höchste Variabilität bei der Bedienung. Und eine Klangwiedergabe die hörbar einmalig ist. Und der zusätzliche Line-Eingang wird auf höchstem Niveau vorverstärkt, der STEELHEAD ist damit eine der besten Vorstufen, die es derzeit gibt!
Diesen Beweis möchten wir gerne mit Ihnen zusammen antreten.
Technische Daten:
Röhren-Ausstattung: (Doppel-Trioden): 2 x 6922 (Gain), 4 x 7044 (Ausgangsspeicher)
MC-Impedanz-Einstellungen: frei wählbar: 25, 50, 100, 200, 400 Ohm über Übertrager
MM-Impedanz-Einstellungen: frei wählbar: 25, 50, 100, 200, 47.000 Ohm über Widerstand
Kapazität: frei wählbar: Von 0 - 1.100 pF, in Stufen von 10pF
Verstärkung: MM + MC (am fixen Ausgang): In den Stufen: 50, 55, 60, 65 dB
Abweichung von der RIAA-Kurve: <+5 dB / -3 dB von 20Hz-20kHz, bei allen Gainst. üblicherweise < +/- 1 dB 10Hz - 100kHz
Kanalabweichung: <+/- 0,5 dB bei allen Gainstufen
Dynamik: 101 dB @ 1kHz, 1 % THD
Maximale Ausgangsleistung: +27 dB @ 1 kHz bei 3 % THD bei 100 kOhm Last
Impedanz am fixen Ausgang: 150 Ohm, geringste empfohlene Last: >1.500 Ohm
Impedanz am variablen Ausgang: 75 Ohm, geringste empfohlene Last: >600 Ohm
MM Geräuschabstand:
50 dB = 86 dB s/n
55 dB = 84 dB s/n
60 dB = 80 dB s/n
65 dB = 75 dB s/n
MC Geräuschabstand:
50 dB = 84 dB s/n
55 dB = 80 dB s/n
60 dB = 75 dB s/n
65 dB = 70 dB s/n
Gewicht: STEELHEAD: 6,8 kg
Netzteil: 8,2 kg
Abmessungen: (B x H x T)
STEELHEAD: 48 x 9 x 39 cm
Netzteil: 34 x 11 x 29 cm
Testbericht aus STEREOPHILE – Analog Corner
"In Verzückung!" - MANLEY STEELHEAD
Röhren-MM/MC-Phonostufe
Michael Fremer
"Der Steelhead ist das flexibelste, benutzerfreundlichste Phonoteil, das mir je begegnet ist" Insgesamt hat der Steelhead mir die beste Vinyl-Wiedergabe beschert, die ich jemals auf meiner Anlage gehört habe. Er verbindet Schnelligkeit, breites Frequenzband, Auflösung, harmonische Struktur, Focus, Luftigkeit, Tiefe der Klangbühne, spezielle Abbildung und, am wichtigsten, die umfassende musikalischen Kohärenz in einer Weise, dass die Musik aus den Lautsprechern herauszufliegen scheint, losgelöst von jeglichen mechanischen oder elektrischen Fesseln.
Ich saß einige Stunde vor einem weißen Cursor und zermarterte meinen Kopf auf der Suche nach dem Anfang für diesen Artikel, und nichts fiel mir ein. So gab ich es auf. Ein Bericht über eine HiFi-Messe in den England oder Italien? Ich denke nicht. Mein Flug dorthin war für den Abend des 11 September (2001) geplant.
Als meine Frau mich von ihrer Arbeit aus anrief, um mir zu sagen, dass ein kleines Flugzeug mit einem der Türme des WorldTrade Center zusammengestoßen sei, war ich gerade beim Packen. Ich schaltete den CNN ein und packte weiter und dann sah ich live die Kollision des zweiten Flugzeugs. Ich packte wieder aus. Und selbst wenn Virgin (Airlines) fliegen würde, ich würde jedenfalls nicht fliegen. Wie es sich herausstellte ist in dieser Nacht niemand aus Newark geflogen.
Zwei Wochen lang nach dem 11. September war es mir unmöglich, mich auf etwas anderes als auf das Tagesgeschehen zu konzentrieren, Gelegentlich ging ich nach unten, um mir musikalischen Trost zu holen; aber diese Hörproben konnten schwerlich als Testhören gelten. Sie sollten meine Gedanken beruhigen und mich vom TV fernhalten, Meine Anlage und meine Plattensammlung haben mich nicht im Stich gelassen; viel Brahms, viel Bach und, aus bestimmten Gründen, viel Brian Eno. Am Stück habe ich so das Bruno Walter Album der 4 Brahms-Sinfonien gehört (Columbia D45615). Und als ich grübelte und mir hundeübel war, legte ich The Clash und Led Zep auf, um Dampf abzulassen. Ich denke, dass alle, die dies lesen, sich während dieser schwierigen Tage einer ähnlichen musikalischen Behandlung unterzogen haben.
Da dieser Artikel ein Bericht über eine Messe werden sollte, hatte ich mich während der ersten 10 Tage des Septembers auf die Monoblöcke von Kora Cosmos konzentriert. Die meiste Zeit hörte ich die Kora Cosmos mit Hovlands integrierter Phono-Stufe. Aber ich saß auf einer Schatzkiste voll mit Phono-Verstärkern, die in den nächsten Monaten getestet werden sollten: Pass Xono, Marley Steelhead, und Final Labs.
Der Steelhead wurde zuerst auf der Consumer Electronics Show 2001 vorgestellt. Neun Monate später wurde das lange versprochene Testmuster von EveAnnas Baby bei mir angeliefert. Wenngleich die Konzeption dieses stolzen Kindes auf EveAnna zurückgeht, entwickelt wurde es von Mitch Margolis, dem HiFi-Chef-Designer.
Der Steelhead ist das flexibelste und benutzer-freundlichste Phono-Teil, dem ich je begegnet bin. Es hat 2 Moving Coil-Eingänge (MC) an der Rückseite, einen mit RCA (Cinch-)Steckern, der andere mit DIN-Steckern (weiblich), damit Sie vorzugsweise Ihre mit DIN-Steckern versehen Tonarme (SME, Graham etc) mittels eines DIN/DIN-Kabels anschließen können.
Für den Moving Magnet-Eingang (MM) gibt es nur ein Paar RCA-Buchsen (Cinch). Es gibt fixe und variable Ausgänge; letztere in Verbindung mit dem Lautstärkeregler an der Frontseite, und drei Masse-Klemmen: einen für das Phono-Eingangskabel, und zwei bei den Ausgangsbuchsen, bezeichnet als Chassis und Circuit (Schaltkreis); außerdem befindet sich auf der Rückseite der Multi-Pin Stecker für die Stromversorgung.
Auf der linken Seite der Frontplatte gibt es den Gain-Schalter mit 4 Raster-Positionen (50, 55, 60, 65dB), der bei Benutzung automatisch auf "mute" schaltet, um dem Lautsprecher unangenehme "Explosionen" zu ersparen, und einen Eingangswählschalter mit 3 Raster-Positionen (MC1, MC2, MM). Rechts sehen Sie den Volume-Drehknopf (ein Noble Potentiometer von audiophiler Qualität) und vier Druckschalter: STANDBY, SUM, DIM und MUTE. Dazwischen befindet sich ein weiterer Drehschalter, der je nach Wahl des MM oder MC-Eingangs für verschiedene Funktionen zuständig ist. Bei MM können Sie mit ihm die Impedanz wählen: 25, 50, 100, 200 Ohm und 47 kOhm. Wozu Sie diese brauchen? Lesen Sie einfach weiter.
Bei MC können Sie mit diesem Schalter den "Variable-Load-Auto-Tranny" regeln (Manly-Slang für den Transformer/Autoformer des Steelhead), dem diese Vor-Vor-Stufe ihren Namen verdankt. Der Schalter steuert die 5 Anpassungen am Manley-eigenen "dual-primären, zweiadrig gewickelten, mit großer Bandbreite, geringem Widerstand, mit mehrfach abgeschirmten Nickel-Kern ausgestatteten Step-up Autoformer" ; mit ihm können Sie zwischen den Einstellungen 25, 50, 100, 200 und 400 Ohm wählen. Bei der Impedanzanpassung des Tonabnehmer-Systems mit dem Set-Up Transformator wird zugleich auch die Signalstärke verändert. Das hat eine effiziente Umwandlung mit geringem Verlust des Abtast-Signals zur Folge: von extrem niedriger Spannung/hoher Stromstärke hin zu hoher Spannung/niedriger Stromstärke. Wenn Sie sich dagegen wehren, die Impedanz eines MC-Systems niedriger anzusetzen, dann geben Sie unnötige Signalstärke weg, weswegen konventionelle Lasteinstellungen den Klang einzuschnüren scheinen und das Ausgangssignal abschwächen – manchmal zum Vorteil, manchmal auch nicht. Weitere Schalter auf der Frontplatte ermöglichen eine flexible Anpassung der Kapazität jedes Kanals des Tonabnehmersystems in Stufen von 10pF bis 1100 pF.
Design
Der Steelhead hat das Aussehen eines medizinischen Heimgerätes aus den 50er Jahren. Nennen Sie es pott-häßlich, Retro-Studio (Design) oder was auch immer; ich meine, dass er schwerlich als schlank und "smart" beschrieben werden kann. Offensichtlich ist Manley zu einer blau-grauen Farbe der Frontplatte übergegangen (wie man sich auf ihrer WEB-Seite www.manleylabs.com überzeugen kann), was natürlich besonders hilfreich sein wird. So wie er bei mir angeliefert wurde, mit vergoldeter Frontplatte, großen blauen LEDs, schwarzen Drehknöpfen und hinterleuchtetem Bildschirm-ähnlichem "Manley Steelhead"-Logo, ist er so attraktiv wie ein abgeschnittener Fischkopf.
Über eine "Nabelschnur" am vergoldeten 16 Pin-Anschluss, erhält er seinen Saft aus dem leistungsstarken, regulierten, ausgegliederten Multi-Kanal-Netzteil; wobei jeder Kanal getrennt (Strom und Masse) über ein abgeschirmtes, mehradriges Kabel versorgt wird. Die RIAA- und die Verstärker-Stufe haben je eine 6922 und zwei 7044-Röhren in ihrem Schaltkreis. Nach der sehr gut geschriebenen und sehr informativen Bedienungsanleitung, baut das Schaltungsdesign auf der Erfahrung der letzten 50 Jahre auf, um besten Gebrauch der aktiven und passiven Komponenten und des Schaltungsaufbaus zu machen. Was, wie auf Rückfrage bestätigt, eine Umschreibung dafür ist, dass die 1. Gain-Stufe ein JFET enthält. Als ich EveAnna fragte, ob sich ein Transistor im Signalpfad befinde, – worauf ich wegen des übergroßen Gain verbunden mit "nachtschwarzer Stille" kam – erklärte sie mir, dass sich ein JFET mit großem Querschnitt vor der ersten Röhren-Gain-Stufe befinde. "Die Hybridschaltungen liefern gleichzeitig breites Band, großes Gain, geringes Rauschen und geringe Verzerrung ohne (größeres) negatives Feed-Back; außerdem gibt es keine globale, negative Gegenkopplung". Dieses Design soll bewirken, dass der Verstärkungsfaktor jeder Stufe unbeeinflusst bleibt vom Röhren-Gain oder den Übertragungsschwankungen, welche sich aus den Fertigungstoleranzen bzw. dem Alter der Röhren ergeben können.
Mitch Margolis unterstreicht den Unterschied seines Designs, wenn konfrontiert mit den üblichen "ausgehungerten" Vorverstärkern-Schaltungen auf 12AX7-Basis, wobei er hinweist auf die besondere Steelhead Eigenschaft eines hohen Ruhe- und Arbeits-Stroms jeder Gain-Stufe. Dadurch können die statischen und die dynamischen Impedanzen niedrig bleiben, was wiederum die Bandbreite des Systems vergrößert.
Die RIAA EQ Schaltung adressiert alle vier RIAM-Eck-Frequenzen oder s, welcheZeitkonstanten, einschließlich der oft vernachlässigten 3,2 sich auf einer flachen Kurve bei 50Hz einstellen, anstatt dauernd HF-Reaktion "herauszurollen", wie bei vielen (wenn nicht den meisten) anderen Phono-Teilen der Fall. Die Bedienungsanleitung besagt, dass durch den dauernd möglichen HF Ausstoß, ein etwas "lebloser und abgerückter" Klang entsteht, dem Impakt, Detail und Durchschlagskraft fehlen. Die RIAA-Schaltung benutzt werkseitig eingestellte variable Kondensatoren als auch handverlesene feste Kondensatoren mit 1% Toleranz.
Unbegrenzte Möglichkeiten und schlaflose Nächte
Der Gebrauch des Steelhead war einfach, allerdings bleibt er wegen der vielfältigen Gain- sowie Last-Einstellungen und anderer Möglichkeiten eine fragwürdige Wahl für den audiophilen Fanatiker elektrischer und mechanischer Justagen; denn er wird sich immer fragen, ob die gefundene Einstellung richtig und genau genug ist. Denn auch die Entscheidung für den MM- oder MC-Eingang wird nicht so einfach sein – der Steelhead liefert genügend Gain am MM-Eingang, um einen MC-System mit schwacher Ausgangsspannung zu verkraften. Gerade höre ich den neuen Lyra Helikon SL mit schwachem Ausgangssignal (0,22 mV) über den MM-Eingang des Steelhead an der 60 dB Gain-Stellung und habe ihn direkt an den Musical Fidelity Nu-Vista 300 End-Verstärker angeschlossen. Der Lautstärkeregler steht auf 2:00 Uhr und es ist laut! Stellen Sie sich das vor.
Wenn außer Betrieb, kann der Steelhead in Standby-Mode bleiben. Damit werden praktisch alle Arbeitsströme vom Gerät ferngehalten, nur die Steuerungselektronik wird aus einem kleinen, separaten Trafo im Netzteil mit Strom versorgt. Drücken Sie den Standby-Knopf ein zweites Mal, dann erwacht der Steelhead zum Leben. Der "SUM"-Knopf führt die beiden Kanäle zum monophonen Hören zusammen, funktioniert aber nur in der variablen Ausgangs-Stellung – genau wie der "DIM"-Knopf, der das Ausgangssignal um 20dB reduziert, praktisch für den "Schnelltest" einer LP oder um ein Telefonat entgegenzunehmen. Drücken Sie "SUM"- und "DIM"-Knopf gleichzeitig, dann kommen Ihnen kleine Brötchen aus feinem Teig, mit Dampf aus dem hell erleuchteten Manley-Logo auf der Frontplatte entgegen. Zum Glück arbeitet der "MUTE"-Knopf sowohl am fixen als auch am variablen Ausgang.
Beide Ausgänge, fix und variabel, laufen über eine Röhrenstufe, mit niedriger Ausgangsimpedanz. "Ohne die "abgewichsten" Kathoden-Ausgänge anderer Hersteller (oh, wie langweilig)", so ist es auf der Manley-WEB-Seite zu lesen, mit dem Zusatz "Okay, hören Sie doch mit den audiophilen Kabeln mit hoher Kapazität, warum auch nicht?" Ich habe es getan.
Wählen Sie Ihren Klang
Denn es gibt so viele Variable und Sie können diese ganz einfach aussuchen; weswegen es auch fast unmöglich ist, den spezifischen Klang des Steelhead zu beschreiben. Innerhalb gewisser Grenzen können Sie aus ihm und ihrem Abtastsystem einen beliebigen Klang herausholen, wie es Ihnen gerade gefällt. Aber egal, wie weit Sie die Impedanz am MC-Eingang, den Widerstand in MM-Mode oder die capacitive Last bei MM verändern oder ob Sie für Ihr MC-System mit niedriger Ausgangsspannung den MM- oder MC-Eingang wählen, ob Sie mit dem Steelhead direkt den Endverstärker betreiben oder über Ihren Vorverstärker gehen, der Steelhead liefert Ihnen eine Reihe von Konstanten: darunter ungewöhnlich geringes Rauschen (unabhängig vom Gain, von der Last-Einstellung etc.) spektakuläre Ansprungschnelligkeit, rhythmische Bestimmtheit, Klarheit im musikalischen Lauf, atemlose machende Transparenz und ganz sicher erstaunliche Dynamik.
Haben Sie einen MC-Abtaster mit niedriger Ausgangsspannung, dann gehen Sie natürlich zuerst über den MC-Eingang. Darauf wählen Sie am Impedanz-Schalter die Stellung, die der Impedanz des Systems entspricht. Aber die ist nicht identisch mit dem DC-Widerstand Ihres Systems, den einige Systemhersteller fälschlicherweise als "interne Impedanz" bezeichnen. Aber wir sind alle irregeleitet. Am besten, Sie wählen die Impedanz nach dem Gehör.
Um die kapazitiven Werte für MM-Systeme einzustellen, finden Sie zuerst die Angabe des Systemherstellers zur kapazitiven Last heraus, davon ziehen Sie die Kapazität Ihres Kabels (für die gegebene Länge) ab, die Ihnen die meisten Kabelherstellen angeben müssten. Wenn Ihr System 150 pF vorgibt und Ihr Kabel 50 pF hat, dann wählen Sie 100 pF für die Einstellung.
Darauf hören Sie etwas Musik, drehen am Impedanz-Knopf des Trafos und was hören Sie? Anders als bei resistiver Last werden Sie feststellen, je niedriger Sie die Impedanz-Einstellung am Manley wählen, umso lauter und robuster der Klang. Das kommt daher, – wenigstens beim Helikon SL mit dessen vergleichsweise niedriger Quell-Impedanz – dass Sie die Übertragungsstärke in dem Maße vergrößern, wie Sie die Eingangs-Impedanz des Autoformers herabsetzen.
Aber ganz sicher sollten Sie selbst das MC-System mit dem niedrigsten Output über MM anschließen, wie ich es selbst auch getan habe. Bei den 0,22 mV des Helikon SL hatte ich mehr als ausreichend Gain und nacht-schwarzen Hintergrund. Was einen Klang mit noch größerer Reinheit und Feingefühl brachte; weswegen Marley eine variable Anpassung für MM anbietet, welche üblicherweise bei 47kOhm fest vorgegeben ist. Wenn der Hersteller Ihres MC-Abtasters Ihnen vorschlägt, diesen mit 47 kOhm zu spielen und Sie den MM-Eingang wählen, dann können Sie helleren Aufnahmen etwas Wärme verpassen, indem Sie mit der Lasteinstellung experimentieren. In der Theorie wird ein zu wenig gedämpfter Abtaster mit hörbarer Überlastung "klingeln", wenn er eine "Breitseite" zu verkraften hat. Wenn zu viel gedämpft, dann wird er zu träge reagieren und die Frequenzenden werden dadurch beschnitten.
In Praxis ist das wegen einer Vielzahl von Faktoren alles nicht so einfach. Im MC-Betrieb können Sie ähnliche Ergebnisse erzielen, wenn Sie eine Einstellung abseits des besten Impedanzabgleichs wählen. Am Ende sollten Sie durch Hören die besten Werte für die resistive Last und die Impedanz finden, besonders wenn eine solche Phonostufe Ihnen die Möglichkeit des fliegenden Wechsels bei den Einstellungen erlaubt.
So habe ich herumgespielt und mit dem Klang experimentiert, um die Positionen zu finden, die für mich am besten klangen. Der Steelhead hörte sich niemals übertrieben aufgedickt, romantisch oder zu warm an – es sei denn, die Aufnahme war so. Ich spielte eine deutsche Version von Stevie Wonders "You Are the Sunshine of My Life" vier Mal: indem ich zuerst den Helikon SL am MM- und dann MC-Eingang mit variablen Ausgang anschloss, und dann die gleichen Eingänge benutzend mit fixem Ausgang am Hovland HP-100. Jede Wiedergabe war anders. Zum Schluss bevorzugte ich den MM-Eingang mit dem Steelhead am Hovland, obwohl der direkte Anschluss sich "schneller" und reiner anhörte.
Ganz zum Schluss spielte ich Stevie Wonder Platte über die eingebaute Phonostufe des Hovland. Und, obgleich der Hovland sehr, sehr gut ist, konnte er gegenüber dem Steelhead nicht bestehen, besonders in der Bass-Dynamik, bei der Ansprunggeschwindigkeit und der Klarheit des Ganzen. Aber bei "You Are the Sunshine of My Life" war die leicht wärmere, langsamere und weichere Darbietung des Hovland die angenehmere.
Aber bei den Besten Aufnahmen – bei solchen, die ich als meine Referenzen einsetze – und im direkten Anschluss an den Endverstärker brachte der Steelhead eine unübertroffene Auflösung ultra-tiefer Details, manchmal grub er überraschend neue Musikinformationen aus bekannten Aufnahmen aus und lieferte die feinste makro-dynamische Basswiedergabe, die ich je auf Vinyl gehört habe, mit einer Ansprunggeschwindigkeit in den hohen Frequenzen, die klar-direkt, aber zart waren – wie man sie live hören könnte.
Insgesamt hat der Steelhead mir die beste Vinyl-Wiedergabe beschert, die ich jemals auf meiner Anlage gehört habe. Er verbindet Schnelligkeit, breites Frequenzband, Auflösung, harmonische Struktur, Focus, Luftigkeit, Tiefe der Klangbühne, spezielle Abbildung und, am wichtigsten, die umfassende musikalischen Kohärenz in einer Weise, dass die Musik aus den Lautsprechern herauszufliegen scheint, losgelöst von jeglichen mechanischen oder elektrischen Fesseln.
Wird der Steelhead für jeden Anwender perfekt sein? Nichts ist, und ich wette, dass einige Hörer ihm mangelndes "Aufblühen" in den Mitten und unzureichende Fülle ankreiden werden. Ein solid-state System wie die Referenz von Audio Research braucht vielleicht ein lupenreines Röhren-Phonoteil, um die ehrliche Ausweitung im hohen Frequenzbereich und die stürmische Schnelligkeit des Steelhead auszugleichen. Und natürlich haben schlechte Aufnahmen – von denen es mehr gibt, als wir zugeben wollen – keine Chance, ihre Schwächen zu verbergen, wenn sie mit einer Phonostufe zusammen kommen, die diese so gnadenlos aufdeckt (wie der Steelhead). Aber dafür habe ich ja die voll-klingenden Amperex Bugle Boy ECC88, die mit solchen Zumutungen gegenüber der analogen Kunst mit Bravour fertig werden würden.
Leider wurde der Steelhead als eine Komponente konzipiert, bei der der Preis keine Rolle spielt. Als EveAnna am Ende alle Kosten auflistete, kam als Eintrittsgeld der beachtliche Betrag von EUR 9.300,00 heraus. Aber bedenken Sie: wenn Sie audiophiler Nur-Analog-Hörer sind, dann können Sie sich den Vorverstärker sparen und Sie können den festen Ausgang als "Record Out" benutzen. Wer mit vielen Quellen arbeitet, der wird so vorgehen, wie ich es während des Tests getan habe: ich habe 2 NF-Kabelpaare am Endverstärker angeschlossen, ein Paar vom Steelhead, ein anderes vom Vorverstärker. Wird dies meine permanente Anlagen werden? Ich denke ernsthaft darüber nach.